H2Obacht bei Starkregen!

Darum braucht es ein interkommunales Anpassungskonzept für Starkregen

Foto (c) Richard Scheuerecker

Starkregenereignisse haben in der Region rund um den Waginger See in den letzten Jahren immer wieder zu Folgeschäden geführt. Derzeit lassen die Wetteraufzeichnungen noch keine Aussagen über eine Erhöhung oder Verringerung der jährlichen Regenmenge zu. Die Messstation Waginger See des Deutschen Wetterdienstes verzeichnet seit den 1961 keine signifikante Veränderung des Niederschlags. Zu beobachten ist hingegen eine Veränderung der Intensität des Regens. Anstelle von langanhaltendem Dauerregen kommt es immer häufiger zu kurzen, intensiven Regenfällen.

Aufgrund bereits vergangener Ereignisse haben sich die sieben Mitgliedskommunen der ILE Zukunftsregion Rupertiwinkel zur Erarbeitung eines Anpassungskonzeptes für Starkregen und Sturzfluten zusammengeschlossen. Ziel ist die Entwicklung eines Maßnahmenplans, um künftig für Starkregenereignisse besser vorbereitet zu sein. Mit dem vom Bundesumweltministerium geförderten Projekt (Förderkennzeichen 67DAS280) werden bis 2027 nachhaltige Lösungsstrategien für den gesamten Rupertiwinkel entwickelt.

Warum unsere Kulturlandschaft nicht (mehr) mit Starkregen umgehen kann.

Durch die Gletscher der letzten Eiszeit entstand rund um den Waginger und Tachinger See eine der schönsten Jungmoränenlandschaften Bayerns – sanfte Hügellandschaften mit Feldern, Wiesen und durchzogen von Bächen. In den letzten 150 Jahren hat sich diese Landschaft jedoch fundamental verändert.

Bereits im Jahr 1867 wurde der Ausfluss des Waginger Sees an der Götzinger Aache tiefergelegt, um zusätzliches Land zu gewinnen. Insgesamt konnten auf diese Weise knapp 125 ha Neuland und 204 ha ursprüngliche Feuchtwiesen kultivierbar gemacht werden. Zusätzlich wurde auch die Entwässerung der landwirtschaftlichen Flächen immer weiter vorangetrieben, um die Bewirtschaftung zu erleichtern und die Erträge zu erhöhen.

Spätestens mit dem zweiten Weltkrieg hat die Versiegelung der Landschaft durch den Ausbau von Straßen, Siedlungen und Infrastrukturen massiv zugenommen. Landwirtschaftliche Böden werden aufgrund der immer schwerer werdenden Maschinen zunehmend verdichtet und der Wald durch Monokulturen in seiner Resilienz beeinträchtigt. Forststraßen verändern zudem die Wasserspeicherfähigkeit der bewaldeten Flächen und führen zu einem Abfluss des Wassers aus dem Wald (vgl. Auerswald et al. 2024). Das Resultat: eine ursprüngliche Schwammregion entwickelt sich mehr und mehr zur einer Abflussregion.

Die gute Nachricht: Im Gegensatz zum fortschreitenden Klimawandel, können wir auf diese Veränderung direkt einwirken. Kommunen, Bürger:innen, Unternehmen und Landwirte können ihr Verhalten bezüglich der Landnutzung ändern, Versiegelungen rückgängig machen, Drainagen und Abflusswege kritisch bewerten und Moore wieder vernässen. Kurz gesagt: wir alle können wieder Strukturen in die Landschaft bringen und die Wassersensibilität unserer Flächen erhöhen.

Damit unsere Kulturlandschaft wieder zur Schwammlandschaft wird.

Projektbeschreibung

Die ILE „Zukunftsregion Rupertiwinkel“ mit ihren sieben Mitgliedskommunen Fridolfing, Kirchanschöring, Petting, Taching am See, Tittmoning, Waging am See und Wonneberg, einer Gesamtfläche von 265 km² und ca. 26.000 EinwohnerInnen liegt in Südostbayern, im Alpenvorland und ist großteils geprägt von intensiver landwirtschaftlicher Nutzung überwiegend in Form von Grünlandbewirtschaftung durch Milchviehbetriebe. Die Landschaft ist geomorphologisch geprägt von der letzten Eiszeit als voralpine Moränenlandschaft mit teils ebenen, teils hügeligen Geländestrukturen. Die Böden sind aufgrund der eiszeitlichen Prägung durch Gletscher stark verdichtet und können das Niederschlagswasser nicht schnell genug aufnehmen. Die Folge ist schnell abfließendes Oberflächenwasser.

In Folge des Klimawandels war die Region Waginger See – Rupertiwinkel in den letzten Jahren immer häufiger von Starkregenereignissen mit lokalen, zerstörerischen Sturzfluten betroffen. Die maßgebliche Gefährdung erfolgt durch wild abfließendes Oberflächenwasser aus Hanglagen. Besonders in Siedlungsgebieten ziehen derartige Abflüsse immer wieder große Schäden nach sich. Des Weiteren entstehen Probleme in Form von Bodenerosion und folglich erhöhten Nährstoffeinträgen aus der landwirtschaftlichen Fläche in Oberflächengewässer, wie dem Waginger und Tachinger See.

Für die Kommunen der ILE „Zukunftsregion Rupertiwinkel“ ist es ein übergeordnetes Ziel im Bereich der regionalen Klimawandelanpassung für künftige Starkregenereignisse sinnvolle, vorbeugende Lösungsstrategien gemeinsam mit Behördenvertreter*innen und intensiver Bürger*innenbeteiligung zu erarbeiten, um die Auswirkungen zukünftig auftretender Ereignisse abmildern zu können.

Dieses Ziel soll durch ein interkommunales Klimawandelanpassungskonzept für Sturzfluten bei Starkregenereignissen mit einem multifunktionalen, resilienten Ansatz unter Berücksichtigung von Hochwasserschutz, Gewässerschutz, Landwirtschaft und Naturschutz erreicht werden.

Projektdesign

Das Projekt ist in insgesamt 8 Arbeitspakete aufgeteilt. Anhand von 5 Meilensteinen wird der Projektfortschritt gemessen. Im ersten Abschnitt des Projektes kommt es zur Erstellung von Fließwegekarten für die einzelnen Kommunen auf deren Basis anschließend ein Sturzflut-Risikomanagement aufgebaut werden kann. Auf der Grundlage dieser Analysen können anschließend vorbeugende Lösungsstrategien für alle Kommunen entwickelt werden, die sich auf die Bereiche Katastrophenschutz, Hochwasserschutz, Gefahrenzonenplanung sowie die Steigerung der Wasserrückhaltefähigkeit in der Fläche durch Veränderung der Strukturen in der Landwirtschaft beziehen. Zudem kommt es auch zur Entwicklung von Handlungsempfehlungen für die innerkommunale Bauleitplanung und die Geländegestaltung zur Aufnahme von Oberflächenwasser.

In dem nächsten Projektabschnitt steht dann die Einbeziehung der Bürger*innen im Vordergrund. Maßgeblich geht es um das Berücksichtigung der vielfältigen Erfahrungen und Beobachtungen der Bevölkerung von Starkregenereignissen, aber auch um die Abstimmung der entwickelten Lösungsansätze.

Die gesammelten Ergebnisse werden abschließend in einem Evaluierungsbericht gesammelt, der für jede Kommune ein individualisiertes Handlungsprogramm enthält.



Hinweise zum Fördergeber

Das Projekt wird mit dem Förderkennzeichen 67DAS280 durch das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) gefördert. Projektträgerin, und damit mit der Durchführung und Abwicklung des Vorhabens beauftragt, ist die PT Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH.

Förderprogramm: Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel

Förderschwerpunkt: 3 – Kommunale Leuchtturmvorhaben sowie Aufbau von lokalen und regionalen Kooperationen

Link zum BMUKN: https://www.bundesumweltministerium.de/themen/klimaanpassung/ueberblick-klimaanpassung

Link zur ZUG: https://www.z-u-g.org/das/