
H2Obacht bei Starkregen!

Gemeinsam aktiv werden und Starkregengefahren abmildern!
Starkregen in der Region Rupertiwinkel
In den letzten Jahren kam es in allen Kommunen rund um den Tachinger und Waginger See immer wieder zu Starkregen. Ob 2019 und 2020 in Fridolfing oder zuletzt 2021 in Tittmoning – alle Kommunen der ILE Region haben bereits Folgeschäden durch Starkregen erlebt.
Dabei stellt sich die Frage, ob auch in Zukunft mit Starkregen zu rechnen ist bzw. ob jene Extremwetterereignisse grundsätzlich zunehmen werden. Müssen sich die Kommunen für die scheinbar häufiger auftretenden Ereignisse rüsten?

Betrachtet man zunächst die durchschnittliche Temperaturkurve des Bayrischen Klimainformationssystem des LfU wird deutlich, dass wir seit der Mitte des 20. Jahrhunderts einen Temperaturanstieg von +2°C beobachten können. Eine höhere Temperatur bedeutet gleichzeitig auch einen Anstieg der Verdunstung, wonach schon 1°C mehr 7% mehr Wasserdampf bedeutet. Je wärmer es wird, desto mehr Wasser verdampft und desto häufiger und intensiver fällt der Regen aus.
Wird hingegen die durchschnittliche jährliche Regenmenge betrachtet, so kann der Zusammenhang zwischen Temperaturerhöhung und Zunahme des Niederschlags offensichtlich noch nicht bestätigt werden. Messungen des Deutschen Wetterdiensts für Waging am See zeigen vielmehr keine signifikante Veränderung und sprechen somit weder von einer Zu- noch Abnahme der Regenmengen. Dies lässt darauf schließen, dass die Regenmenge zwar gleichbleibend ist, gibt jedoch keine Aussage über die Intensität und Häufigkeit von Regenfällen. So kann mehr Regen in einer kürzeren Zeit fallen, anstatt kleinere Mengen in einem längeren Zeitraum.

Warum unsere Kulturlandschaft nicht (mehr) mit Starkregen umgehen kann.

Durch die Gletscher der letzten Eiszeit entstand rund um den Waginger und Tachinger See eine der schönsten Jungmoränenlandschaften Bayerns – sanfte Hügellandschaften mit Feldern, Wiesen und durchzogen von Bächen. In den letzten 150 Jahren hat sich diese Landschaft jedoch fundamental verändert.
Bereits im Jahr 1867 wurde der Ausfluss des Waginger Sees an der Götzinger Aache tiefergelegt, um zusätzliches Land zu gewinnen. Insgesamt konnten auf diese Weise knapp 125 ha Neuland und 204 ha ursprüngliche Feuchtwiesen kultivierbar gemacht werden. Zusätzlich wurde auch die Entwässerung der landwirtschaftlichen Flächen immer weiter vorangetrieben, um die Bewirtschaftung zu erleichtern und die Erträge zu erhöhen.
Spätestens mit dem zweiten Weltkrieg hat die Versiegelung der Landschaft durch den Ausbau von Straßen, Siedlungen und Infrastrukturen massiv zugenommen. Landwirtschaftliche Böden werden aufgrund der immer schwerer werdenden Maschinen zunehmend verdichtet und der Wald durch Monokulturen in seiner Resilienz beeinträchtigt. Forststraßen verändern zudem die Wasserspeicherfähigkeit der bewaldeten Flächen und führen zu einem Abfluss des Wassers aus dem Wald (vgl. Auerswald et al. 2024). Das Resultat: eine ursprüngliche Schwammregion entwickelt sich mehr und mehr zur einer Abflussregion.
Die gute Nachricht: Im Gegensatz zum fortschreitenden Klimawandel, können wir auf diese Veränderung direkt einwirken. Kommunen, Bürger:innen, Unternehmen und Landwirte können ihr Verhalten bezüglich der Landnutzung ändern, Versiegelungen rückgängig machen, Drainagen und Abflusswege kritisch bewerten und Moore wieder vernässen. Kurz gesagt: wir alle können wieder Strukturen in die Landschaft bringen und die Wassersensibilität unserer Flächen erhöhen.
Damit unsere Kulturlandschaft wieder zur Schwammlandschaft wird.
Ein interkommunales Anpassungskonzept für Starkregen
Die ILE „Zukunftsregion Rupertiwinkel“ mit ihren sieben Mitgliedskommunen Fridolfing, Kirchanschöring, Petting, Taching am See, Tittmoning, Waging am See und Wonneberg, einer Gesamtfläche von 265 km² und ca. 26.000 EinwohnerInnen liegt in Südostbayern, im Alpenvorland und ist großteils geprägt von intensiver landwirtschaftlicher Nutzung überwiegend in Form von Grünlandbewirtschaftung durch Milchviehbetriebe. Die Landschaft ist geomorphologisch geprägt von der letzten Eiszeit als voralpine Moränenlandschaft mit teils ebenen, teils hügeligen Geländestrukturen. Die Böden sind aufgrund der eiszeitlichen Prägung durch Gletscher stark verdichtet und können das Niederschlagswasser nicht schnell genug aufnehmen. Die Folge ist schnell abfließendes Oberflächenwasser.
In Folge des Klimawandels war die Region Waginger See – Rupertiwinkel in den letzten Jahren immer häufiger von Starkregenereignissen mit lokalen, zerstörerischen Sturzfluten betroffen. Die maßgebliche Gefährdung erfolgt durch wild abfließendes Oberflächenwasser aus Hanglagen. Besonders in Siedlungsgebieten ziehen derartige Abflüsse immer wieder große Schäden nach sich. Des Weiteren entstehen Probleme in Form von Bodenerosion und folglich erhöhten Nährstoffeinträgen aus der landwirtschaftlichen Fläche in Oberflächengewässer, wie dem Waginger und Tachinger See.
Für die Kommunen der ILE „Zukunftsregion Rupertiwinkel“ ist es ein übergeordnetes Ziel im Bereich der regionalen Klimawandelanpassung für künftige Starkregenereignisse sinnvolle, vorbeugende Lösungsstrategien gemeinsam mit Behördenvertreter*innen und intensiver Bürger*innenbeteiligung zu erarbeiten, um die Auswirkungen zukünftig auftretender Ereignisse abmildern zu können.
Dieses Ziel soll durch ein interkommunales Klimawandelanpassungskonzept für Sturzfluten bei Starkregenereignissen mit einem multifunktionalen, resilienten Ansatz unter Berücksichtigung von Hochwasserschutz, Gewässerschutz, Landwirtschaft und Naturschutz erreicht werden.
Neugierig geworden? Hier gibt’s weitere Informationen zum Projekt:
Hinweise zum Fördergeber
Das Projekt wird mit dem Förderkennzeichen 67DAS280 durch das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) gefördert. Projektträgerin, und damit mit der Durchführung und Abwicklung des Vorhabens beauftragt, ist die PT Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH.
Förderprogramm: Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel
Förderschwerpunkt: 3 – Kommunale Leuchtturmvorhaben sowie Aufbau von lokalen und regionalen Kooperationen
Link zum BMUKN: https://www.bundesumweltministerium.de/themen/klimaanpassung/ueberblick-klimaanpassung
Link zur ZUG: https://www.z-u-g.org/das/
