
H2Obacht bei Starkregen!
Starkregenvorsorge für sieben Kommunen im Rupertiwinkel
Wissenschaftlich fundiert, interkommunal und bürgernah – unser Anpassungskonzept für Starkregen und Sturzfluten zeigt wie Starkregenvorsorge und wassersensibles Verhalten Hand in Hand gehen können.
Für Kommunen, Bürger:innen, Unternehmen und Landwirte – für unsere Zukunft.
7
Kommunen
5
Handlungsfelder
63
Maßnahmen
Warum Starkregen in der Region ein wachsendes Problem ist
Zunehmende Extremwetterereignisse
Fridolfing 2019 und 2020, Tittmoning 2021 – innerhalb kürzester Zeit verwandeln sich kleine Gewässer in reißende Bäche, Straßen werden zu gefährlichen Abflusswegen und im Ort scheint das Wasser plötzlich von allen Seiten her zu kommen. Schutzmaßnahmen scheinen wirkungslos und der Katastrophenschutz ist im Dauereinsatz. Ereignisse wie diese sitzen vielen von uns noch tief in den Knochen und sorgen meist für Sprachlosigkeit über die Schnelligkeit mit der solche Geschehnisse eintreten können. Fragt sich nur, wie häufig wir in Zukunft noch Zeuge dieser Ereignisse werden müssen? Wird Starkregen häufiger werden?

Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts ist im Landkreis Traunstein die Durchschnittstemperatur um +2 °C gestiegen. Warum dies auch mit der zunehmenden Gefahr von Starkregenereignissen einhergeht, erklärt die Physik: So geht eine höhere Temperatur auch mit einem Anstieg der Verdunstung einher, wonach schon eine Zunahme der Temperatur von +1°C die Anreichung der Atmosphäre mit Wasserdampf um +7% bedeutet. Soll heißen: Je wärmer es wird, umso mehr reichert sich die Luft mit Wasser an, das sich dann in intensiveren und heftigeren Regenfällen in meist kurzer Zeit wieder entlädt. Lang anhaltender Regen wird zukünftig also wahrscheinlich seltener, kürzerer, dafür intensiverer Regen häufiger.
Doch wie sieht es mit der Regenmenge grundsätzlich aus? Regnet es bei uns nicht nur intensiver sondern auch mehr? Die derzeitigen Analysen des Deutschen Wetterdiensts (Messstation Waging am See) zeigen bisher noch keine signifikante Veränderung der Regenmenge. Diese Aussage verrät jedoch nichts über die Art und die Häufigkeit von Regenfällen. Die Beobachtung der Experten bestätigt jedoch die zuvor getätigte Annahme: zukünftig wird es weniger, dafür jedoch heftigere Regenereignisse geben. Eine klimatische Realität, an die man sich künftig vorbereiten und anpassen muss.

Warum unsere Kulturlandschaft nicht (mehr) mit Starkregen umgehen kann.

Durch die Gletscher der letzten Eiszeit entstand rund um den Waginger und Tachinger See eine der schönsten Jungmoränenlandschaften Bayerns – sanfte Hügellandschaften mit Feldern, Wiesen und durchzogen von Bächen. In den letzten 150 Jahren hat sich diese Landschaft jedoch fundamental verändert.
Bereits im Jahr 1867 wurde der Ausfluss des Waginger Sees an der Götzinger Aache tiefergelegt, um zusätzliches Land zu gewinnen. Insgesamt konnten auf diese Weise knapp 125 ha Neuland und 204 ha ursprüngliche Feuchtwiesen kultivierbar gemacht werden. Zusätzlich wurde auch die Entwässerung der landwirtschaftlichen Flächen immer weiter vorangetrieben, um die Bewirtschaftung zu erleichtern und die Erträge zu erhöhen.
Spätestens mit dem zweiten Weltkrieg hat die Versiegelung der Landschaft durch den Ausbau von Straßen, Siedlungen und Infrastrukturen massiv zugenommen. Landwirtschaftliche Böden werden aufgrund der immer schwerer werdenden Maschinen zunehmend verdichtet und der Wald durch Monokulturen in seiner Resilienz beeinträchtigt. Forststraßen verändern zudem die Wasserspeicherfähigkeit der bewaldeten Flächen und führen zu einem Abfluss des Wassers aus dem Wald (vgl. Auerswald et al. 2024). Das Resultat: eine ursprüngliche Schwammregion entwickelt sich mehr und mehr zur einer Abflussregion.
Die gute Nachricht: Im Gegensatz zum fortschreitenden Klimawandel, können wir auf diese Veränderung direkt einwirken. Kommunen, Bürger:innen, Unternehmen und Landwirte können ihr Verhalten bezüglich der Landnutzung ändern, Versiegelungen rückgängig machen, Drainagen und Abflusswege kritisch bewerten und Moore wieder vernässen. Kurz gesagt: wir alle können wieder Strukturen in die Landschaft bringen und die Wassersensibilität unserer Flächen erhöhen.
Damit unsere Kulturlandschaft wieder zur Schwammlandschaft wird.
Das interkommunales Anpassungskonzept für Starkregen
Die ILE Zukunftsregion Rupertiwinkel hat mit ihren sieben Mitgliedskommunen – Fridolfing, Kirchanschöring, Petting, Taching am See, Tittmoning, Waging am See und Wonneberg – ein interkommunales Anpassungskonzept für Starkregen und Sturzfluten erarbeitet. Es verbindet Hochwasserschutz, Gewässerschutz, Landwirtschaft und Naturschutz mit einem multifunktionalen Ansatz.
Methodik: Von der Fließwegekarte zur konkreten Maßnahme
Grundlage des Anpassungskonzeptes sind Fließwege- und Starkregengefahrenkarten, die für ausgewählte Bereiche aller sieben Kommunen erstellt wurden. Die Karten zeigen, an welchen Stellen sich Wasser im Starkregenfall aufstaut, wohin es fließt (und in welcher Geschwindigkeit) sowie welche Bereiche besonders gefährdet sind. Sie sind somit eine wichtige Grundlage für Haus- und Grundstückseigentümer:innen, um die eigene Gefährdungslage einzuschätzen und Vorsorgemaßnahmen zu treffen, sowie für den Katastrophenschutz und die kommunale Bauplanung.
Interesse bekommen? Hier gibt’s weitere Informationen zu den Starkregengefahrenkarten und zu möglichen Vorsorgemaßnahmen.
H2Obacht – Wir schützen unser Wasser für unsere Region.
Ein interdisziplinär zusammengestellter Fachexpertenrat hat auf Basis der Starkregengefahrenkarten ein Konzept erarbeitet, wie die Gemeinden sich künftig auf Starkregenereignisse vorbereiten können. Die wichtigste Erkenntnis: Das Ab- und Wegleiten von Oberflächenwasser ist zu kurz gedacht. Vielmehr sind bei der Starkregenvorsorge auch die weiteren Auswirkungen des Klimawandels wie Hitze, Trockenheit und Dürre zu berücksichtigen, wonach vor allem die Unterstützung und Wiederherstellung des natürlichen Wasserkreislaufs in den Blick rückt. In diesem Sinne muss Wasser im Fall von Starkregen gespeichert werden, um dieses im Fall von Trockenheit wieder zur Verfügung zu haben. Ein Entwicklungsziel, das in der Kampagne „H2Obacht – Wir schützen unser Wasser für unsere Region“ mit 5 Handlungsfeldern und 63 Maßnahmen seinen Ausdruck findet.
Kommunale Maßnahmen
Planerische und technische Maßnahmen der Gemeinden: von Verwaltungsstrukturen, Rückhaltebecken bis hin zur wassersensiblen Bauleitplanung.
Bewusstseinsbildung & Kommunikation
Mittel und Wege um unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen, zu informieren und die Eigenvorsorge zu unterstützen.
Resiliente Dorf- und Stadtentwicklung
Lösungen zur wassersensiblen Siedlungsentwicklung: von der Entsiegelung, der Begrünung bis hin zum wassersensiblen Bauen.
Bürgerschaftliches Engagement
Nachbarschaftshilfe, Ehrenamt und Hochwasserschutz im Verbund stärken.
Wassersensible Landnutzung
Landwirtschaft als wichtiger Partner bei der Umsetzung der wassersensiblen Region: Wasserrückhalt in der Fläche erhöhen, Bewirtschaftungsweisen überdenken und Potentiale nutzen.
Projektverlauf & Meilensteine
Projektstart
Hinweise zum Fördergeber
Das Projekt wird mit dem Förderkennzeichen 67DAS280 durch das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) gefördert. Projektträgerin, und damit mit der Durchführung und Abwicklung des Vorhabens beauftragt, ist die PT Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH.
Förderprogramm: Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel
Förderschwerpunkt: 3 – Kommunale Leuchtturmvorhaben sowie Aufbau von lokalen und regionalen Kooperationen
Link zum BMUKN: https://www.bundesumweltministerium.de/themen/klimaanpassung/ueberblick-klimaanpassung
Link zur ZUG: https://www.z-u-g.org/das/
